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PONT: EINE FABRIK, EINE TRADITION, EIN MUSEUM | ![]() |
die beide durch die Kraft des Wassers angetrieben wurden.
Anscheinend beschränkt sich produktive Umwandlung und
Umstrukturierung nicht nur auf unsere Zeit, da auch die
Faletti Brüder sich entschlossen ihre Tätigkeiten
in eine Seidenspinnerei umzuändern. Im Jahre 1824 ging
die Spinnerei an die Duport über, die schon eine
Baumwollspinnerei in Annecy, in Savoyen besaßen. Der
Betrieb blieb fünfzehn Jahre lang in ihrem Besitz; diese
Zeit reichte aus, um der Manufaktur eine industrielle Linie
zu geben. Als Maria Christina di Borbone im Jahre 1833 eine
Reise durch Piemont machte, wurde diese Fabrik für einen
Besuch der Königin auserwählt. Sie wurde von den
Herzögen von Savoyen und von Genua begleitet, deren
Interesse an den Baumwollappen somit geweckt wurde. Nach 1839
wurde die Fabrik, die von der Familie Leuffer gekauft worden
war noch weiter ausgebaut. Die Qualität der Produktion
ist durch eine Reihe von Medallien und Auszeichnungen
bewiesen, die in den Jahren 1846, 1850 und 1858 auf einigen
der Ausstellungen verliehen worden sind, die dem
technologischen Optimismus und dem viktorianischen Zeitalter
so teuer waren. Die berühmteste ist die Londoner
Ausstellung im Jahre 1851. Im Jahre 1870 wurde ein neuer
Kanal für die Wasserzufuhr gebaut, so daß die
Hydraulikturbinen angetrieben werden konnten. Zu diesem
Zeitpunkt stellte die Baumwollspinnerei in fortlaufendem
Zyklus 1500 Kilogramm Garn und 15 Tausend Meter Stoff am Tag
her und beschäftigte 1500 Mitarbeiter. Im Jahre 1882
wurde die neue Stoffmanufaktur an den Ufern des Orco,
Richtung Cuorgnè eingeweiht. Hier gab es Gebäude
und Hallen ähnlich wie in Pont, deren Grundriss auch
heute noch in den technischen Handbüchern der damaligen
Zeit aufgeführt sind.
Durch eine Reihe von Streiks, die in dem Klima der
Arbeiterbewegungen Ende des letzten Jahrhunderts stattfanden,
wurde die Gesellschaft 1906 gezwungen den Komplex an die
Manufaktur Mazzonis s.a.s. abzugeben. Die Arbeiteraufruhre
gingen noch monatelang weiter. Das Jahr 1913 jedoch war das
Goldjahr, in dem die Manufaktur von Pont ein maximales
Produktionsvolumen erreichte: 3000 Kilo Garn und 20.000
Meter Stoff am Tag. Die Stoffe wurden in Italien, in
Ägypten, in der Türkei und in Lateinamerika
verkauft. 1370 Webstühle waren installiert und 2300
Arbeiter arbeiteten dort. Durch die Weltkrise im Jahre 1929
erlitt auch die Produktion in Pont einen harten
Rückschlag. Wie es das wirtschaftlich unabhängige
Klima in diesen Jahren verlangte, stellte die Manufaktur im
Jahre 1932 die Produktion auf künstliche Fasern um. Dann
kam der Krieg und die Nachkriegszeit. Die technologischen und
kommerziellen Veränderungen, die in den sechziger Jahren
den Weltmarkt der Fasern beherrschten, zwangen die
Gesellschaft den eigenen Betrieb niederzulegen und die
Werkstore zu schließen. Die Anlage blieb fünf
Jahre lang geschlossen, bis dann im Jahre 1971 die Firma
Sandretto die Konstruktion von Spritzgusspressen für
Kunststoffe in die historischen Gebäude an den Ufern der
Soana verlegte.
Die königliche Manufaktur von Pont war einer der
Knotenpunkte in der geographischen Aufteilung der
Industriezentren, die im letzten Jahrhundert die entstehende
Industrie Italiens beherbergten. Die Karte bezieht sich, wie
es auch allgemein bekannt ist, fast ausschließlich auf
die Regionen im Nordwesten unseres Landes. In Pont wird Ende
des achtzehnten Jahrhunderts und Anfang des neunzehnten
Jahrhunderts das Schloß durch
die Fabrik ersetzt. Hier beziehen wir uns auf die
Agrarwirtschaft, die in vielerlei Hinsicht die feudalistische
Struktur der Halbinsel wiedergibt. Planimetrie und
konstruktive Gestaltung der Manufaktur behalten im Vergleich
zu der verbleibenden Zivilgemeinschaft die geschlossene Form
( die als Architektur der Einfriedung definiert worden ist)
der ausgerüsteten Hochburg bei: ein modernes "chateau
d'industrie", neben den antiken feudalistischen Manieren des
Canavese, das heute auch von dem Tourismus wiederentdeckt
wird. Dies spiegelt die Bedingungen wieder, die im
neunzehnten Jahrhundert in der italienischen Gesellschaft
herrschten. Hier hinkte man im Vergleich zu Ländern
wie Großbritannien und Frankreich, in denen die
industrielle Revolution angekurbelt worden war, mindestens
ein Jahrhundert hinterher. Zur Zeit der nationalen
Vereinigung um 1860, war Italien noch zum größten
Teil aus den europäischen Produktions und -
Handelskreisläufen ausgeschlossen. Trotz der politischen
Einheit war die wirtschaftliche Realität stark
unterteilt und sehr differenziert. Die Mittel kamen
hauptsächlich aus der Landwirtschaft. Das
Individualeinkommen belief sich auf ein Viertel des
englischen und auf ein Drittel des französischen
Einkommens. Zwei Drittel der Bevölkerung konnte weder
lesen noch schreiben. Bei einer Bevölkerung von 29
Millionen Personen gab es in der Industrie nicht mehr als 400
Tausend Beschäftigte. Die Eisenbahnschienen verliefen
über knapp 2 tausend Kilometer im Vergleich zu den 17
Tausend in England und den 9 Tausend in Frankreich. Es gab
noch keine Alpentunnel und die Verbindungen zum restlichen
Europa waren schwierig und unsicher. In den Zentren von Pont
und Cuorgnè, wie in ganz Norditalien war die
Textilindustrie an die Möglichkeiten gebunden,
hydraulische Energie durch
die nahen Berge zu gewinnen, zumal das Land nicht
über einen derartigen Kohlenreichtum verfügte wie
zum Beispiel England, Belgien oder andere Nationen. Die
elektrische Energie war noch weit entfernt: das erste
italienische Stromwerk wurde im Jahre 1889 in Porto d'Adda
gebaut. Außerdem hörte in Pont die
Textilproduktion auf eine präzise Logik, da sie wegen
der Rohstoffquellen an die landwirtschaftliche Struktur des
Landes gebunden war (Seidenraupenzucht und Anbau von Leinen).
Dies schien keine großartigen sozialen
Zerrüttungen zu schaffen, da man in Pont mit der
Landwirtschaft und der Viehzucht leben konnte, so wie es
eben eine Stadt die am Fuße einer Bergkette liegt
können muß. Dies ist der Nachlass und der
Hintergrund, in dem im Jahre 1971 die Produktion der
mechanischen Industrie Sandretto begann, eine Realität
die die Tradition von Pont wieder ins Leben gerufen hat.

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